PRESSEMITTEILUNG
Wolfenbüttel, 20.08.2026
Neue Ausstellung über die Synagoge im Bürger Museum:
„Dieses Projekt macht jüdisches Leben
in Wolfenbüttel greifbar“
Im Rahmen ihrer diesjährigen Sommertour besuchte die Bundestagsabgeordnete Dunja Kreiser das Bürgermuseum Wolfenbüttel. Dort informierte sie sich über die neue Führung „Jüdisches Leben in Wolfenbüttel – Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge Lessingstraße“.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Virtual-Reality-Anwendung, mit der Besucherinnen und Besucher das Innere der ehemaligen Synagoge erkunden können. Das Gebäude wurde 1893 nach Plänen des Braunschweiger Architekten Constantin Uhde errichtet. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge von Nationalsozialisten in Brand gesetzt und schwer beschädigt. Später wurde sie abgerissen. Heute befindet sich das Grundstück in Privatbesitz, sodass vor Ort kaum noch an das frühere Gebäude erinnert. Wie die virtuelle Rekonstruktion entstanden ist, erläuterten die Museumsleiterin Dr. Sandra Donner und Markus Gröchtemeier M.A. während einer Führung durch das Museum. Grundlage waren unter anderem historische Fotografien, Bauunterlagen, alte Kostenvoranschläge und Farbanalysen. Die Rekonstruktion beruht damit nicht auf einer freien künstlerischen Vorstellung, sondern auf der Auswertung verschiedener historischer Quellen.
Eine wichtige Vergleichsgrundlage war auch die Samsonschule am Neuen Weg. Sie wurde 1896 bezogen und entstand damit nur wenige Jahre nach der Synagoge. Anhand ihrer Architektur konnten Rückschlüsse auf die Ausstattung der zerstörten Synagoge gezogen werden.
Die Synagoge war ein zentraler Ort der jüdischen Gemeinde Wolfenbüttels. Bereits vor ihrem Bau lebten jüdische Familien in der Stadt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Gemeinde weiter und baute ein eigenes religiöses und gesellschaftliches Leben auf. Die Synagoge in der Lessingstraße spiegelte dabei das Selbstverständnis einer modernen, reformorientierten Gemeinde wider. Das Gebäude diente nicht nur als Gebetsstätte, sondern war auch ein Treffpunkt für die jüdische Gemeinde.
Für Dunja Kreiser ist das Projekt vor allem deshalb interessant, weil es historische Forschung mit schulischer Bildung verbindet. Die Führung richtet sich bereits an Schulklassen ab der 7. Jahrgangsstufe. Damit beginnt die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben, dem Nationalsozialismus und Erinnerungskultur nicht erst in der Oberstufe.
Eine Mitarbeiterin des Museums brachte den Anspruch des Projekts mit den Worten auf den Punkt: „Es wurde als Kapitel zum Abschließen behandelt, aber man muss den Bogen zu heute spannen.“ Die virtuelle Rekonstruktion soll deshalb nicht nur zeigen, wie die Synagoge früher ausgesehen hat. Sie macht auch sichtbar, dass sich an diesem Ort jüdisches Leben abspielte, bevor das Gebäude und die Gemeinde durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurden.
Bei ihrem Besuch stellte Kreiser außerdem einen Bezug zur Gegenwart her. Mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus sagte sie: „Antisemitismus ist wieder voll auf der Straße.“ Zugleich rief sie dazu auf, dass die Zivilgesellschaft Haltung zeigen müsse: „Die Zivilgesellschaft muss auf die Straße. Deutschland muss seine Geschichte als „Täterland“ vermitteln. Es kann immer wieder passieren, deswegen ist Aufklärung wichtig, betonte Kreiser weiter.“
Die SPD-Politikerin war nach der Führung sichtlich beeindruckt: „Dieses Projekt verbindet historische Aufarbeitung mit zeitgemäßer Bildung: Es macht jüdisches Leben in Wolfenbüttel greifbar, stärkt kritische Quellenarbeit in der Schule und fördert eine reflektierte Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte.“
Foto:(von links): Die Bundestagsabgeordnete Dunja Kreiser ist von der neuen Ausstellung des Bürgermuseums „Jüdisches Leben in Wolfenbüttel“ begeistert: „Die Ausstellung setzt damit ein starkes Zeichen für Erinnerungskultur, Bildung und gleichzeitig die lebendige Vielfalt unserer Gesellschaft.“ Museumsleiterin Dr. Sandra Donner (Mitte) und ihr Stellvertreter Markus Gröchtemeier führten die SPD-Politikerin und Praktikantin Mia Sadowski (rechts) durch die Führung.


