Stadtempfang 2026: Wolfenbüttel setzt auf gemeinsamen Zusammenhalt, zukunftsweisende Investitionen und kulturelle Vielfalt

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Ein klares Bekenntnis zur Kulturstadt, ein ehrlicher Blick auf die angespannte Haushaltslage und ein tief empfundener Dank an das bürgerschaftliche Engagement: Der diesjährige Stadtempfang der Stadt und des Rates der Stadt Wolfenbüttel vor dem Lessingtheater bot den zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Ehrenamt eine feierliche Bühne für den gemeinsamen Austausch. Die Veranstaltung legte in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf die Einladung der Akteurinnen, Akteure und Handelnden der Innenstadt. Um die gemeinsame Verantwortung von Verwaltung und Politik für die Geschicke der Kommune zu unterstreichen, gestalteten Bürgermeister Ivica Lukanic und der Ratsvorsitzende Jan Schröder die Begrüßung der Gäste erstmals gemeinsam.

Handlungsfähigkeit sichern in herausfordernden Zeiten

In seiner Ansprache wies Bürgermeister Lukanic auf die angespannte finanzielle Lage der Kommunen hin, die auch in Wolfenbüttel klare Prioritäten und Konsolidierungsmaßnahmen erfordere. Dennoch: Die Wahl des Veranstaltungsortes ist eine bewusste Botschaft in finanziell herausfordernden Zeiten. Angesichts notwendiger Konsolidierungsmaßnahmen im Rahmen der „Agenda 2030“ betonte Lukanic, dass Kultur kein verzichtbarer Luxus sei: „Kultur ist keine Verzierung des städtischen Lebens, sondern Teil seiner Substanz. Eine Stadt braucht Orte, an denen sie sich selbst begegnet – an denen diskutiert, gelacht, gezweifelt und gestaunt wird.“ Als Beispiel nannte er die historische Debatte aus dem Jahr 2009 um die Sanierung des Lessingtheaters, die verdeutlicht habe, dass eine Stadt unverzichtbare Orte der Begegnung und Identitätsstiftung brauche.

Der Ratsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Jan Schröder erläuterte anschließend die strategischen Weichenstellungen der kommunalpolitischen Arbeit. Mit der Verabschiedung der „Agenda 2030“ habe der Rat den Einstieg in eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung beschlossen, um die Stadt auch für kommende Generationen handlungs- und gestaltungsfähig zu halten. Er lobte dabei das konstruktive politische Klima, den sogenannten Wolfenbütteler Deal, der von Sachlichkeit und breiten Mehrheiten geprägt sei. „Sachlich in der Sache, fair im Umgang – wegweisende Beschlüsse werden bei uns selten durch schmale Mehrheiten, sondern in der Regel im breiten Konsens getragen.“ Dieses positive Klima gelte es auch in der Zukunft zu bewahren.

Schwerpunkte in Bildung, Sicherheit und Infrastruktur

Trotz der finanziellen Herausforderungen hat die Stadt im vergangenen Jahr weitreichende Investitionen getätigt. Im Bildungs- und Jugendbereich wurde das „Kita-Chancen-Programm 2030“ auf den Weg gebracht. Zu den baulichen Meilensteinen zählen die Fertigstellung der Doppelturnhalle am Landeshuter Platz, die Grundsteinlegung für den Entlastungsbau am Gymnasium im Schloss (GIS II) sowie die angelaufenen Planungen für die Sanierung des Jugendfreizeitzentrums, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Zudem blicken das Jugendparlament auf sein 15-jähriges und die Stadtjugendpflege auf ihr 55-jähriges Jubiläum zurück.

Auch im Bereich der öffentlichen Sicherheit wurden zentrale Projekte vorangetrieben. Dazu gehören der Spatenstich für das Feuerwehrhaus in Wendessen, das neue Feuerwehrhaus in Halchter, die Anschaffung moderner Einsatzkleidung, Maßnahmen zum baulichen Hochwasserschutz sowie die Unterstützung der DLRG-Ortsgruppe bei der Realisierung ihres neuen Vereinsheims. Dass diese Investitionen und das ehrenamtliche Engagement unerlässlich sind, zeigte sich laut Lukanic eindrücklich bei der Bewältigung der schweren Gasexplosion am Schöppenstedter Stieg, bei der Rettungskräfte, Verwaltung und die Nachbarschaft verlässlich zusammenstanden.

Innenstadtentwicklung und zukunftsorientierte Mobilität

Ein wesentlicher Teil des Rückblicks widmete sich der Entwicklung des Stadtzentrums. Die Fertigstellung der neu gestalteten Fußgängerzone war ein bedeutender Schritt, wenngleich die Bauphase den Gewerbetreibenden und der Gastronomie viel Geduld abverlangte. Um das Zentrum strukturell weiter zu stärken, hat die Stadt die Löwentoranteile vollständig übernommen und Projekte wie „Laden auf Zeit“ sowie die Digitalisierung der Parkhäuser realisiert. Eine lebendige Innenstadt zeigte sich im vergangenen Jahr an gut besuchten Formaten wie dem Altstadtfest, dem Maifest und dem Summertime-Festival, welches sogar mit dem Helga-Award ausgezeichnet wurde. Im Bereich der Mobilität setzt Wolfenbüttel auf eine kluge Verbindung aller Verkehrsarten, was durch Initiativen wie die Busbeschleunigung und die Förderung des Radverkehrs unterstrichen wird.

Gelebte Demokratie, Klimaschutz und Erinnerungskultur

Bürgermeister Lukanic blickte im Weiteren auf das anstehende Wahljahr. Er betonte, dass Wahlen ein Fest der Demokratie seien, und hieß die Mitbewerberinnen und Mitbewerber um das Bürgermeisteramt beim Empfang ausdrücklich willkommen. Demokratie fordere Haltung und Wachsamkeit gegen spaltende Stimmen, gerade in Zeiten, in denen der Ton rauer wird. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen appellierte Bürgermeister Lukanic an alle Kandidierenden, einen von Fairness und Sachlichkeit geprägten Wettbewerb zu führen und sich schützend gegen spaltende, demokratieverächtliche Stimmen zu stellen.

Neben dem demokratischen Diskurs widmet sich die Stadt aktiv dem Klimaschutz. Ein eigenes Windrad sowie eine neue Photovoltaikanlage auf der Kläranlage erzeugen mittlerweile zuverlässig Strom. Diese Entwicklung wurde im Rahmen des Klimaforums mit Dr. Eckart von Hirschhausen thematisch begleitet. Beim Klimaschutz gehe es um Tatkraft, Vernunft und Ausdauer statt um eine „apokalyptische Suada“: „Wir brauchen Hoffnung, aber Hoffnung in Arbeitskleidung.“

Die lokale Erinnerungskultur bleibt ebenfalls ein fest verankerter Bestandteil der städtischen Identität. Die Eröffnung der Samsonschule und die Neugestaltung des Leopold-Zunz-Platzes schaffen sichtbare Orte für das geistige und jüdische Erbe der Stadt. Abgerundet wurde das historische Jahr durch einen aufsehenerregenden Bernsteinfund sowie die Jubiläen der Partnerschaften mit dem Arbeitskreis Landeshut (75 Jahre) und der Stadt Blankenburg (zehn Jahre).

In diesem Zusammenhang freute sich der Bürgermeister, dass er zum Stadtempfang auch Gäste aus Satu Mare und Blankenburg vor dem Lessingtheater begrüßen zu können.

Ehrenmedaille mit Ehrennadel für Annette Goslar

Der emotionale Höhepunkt des Abends war die offizielle Ehrung einer verdienten Persönlichkeit der Stadtgesellschaft. Bürgermeister Ivica Lukanic verlieh Annette Goslar im Namen des Rates Ehrenmedaille mit Ehrennadel der Stadt Wolfenbüttel. Als Gründerin und ehrenamtliche Vorsitzende des Trägervereins leitet sie das AHA-ERLEBNISmuseum. Das Museum dient als interaktiver Lernraum und Ideenwerkstatt, in dem Kinder und Jugendliche komplexe gesellschaftliche Themen wie Demokratie, Nachhaltigkeit und Frieden anschaulich entdecken und erforschen können. Lukanic würdigte Goslars langjährigen Einsatz, ihre weitreichende Kreativität und ihre ansteckende Begeisterung, mit der sie jungen Menschen niedrigschwellige Zugänge zu Bildung ermöglicht.

Im Anschluss an die Ehrung wurde der gesellige Teil des Empfangs eröffnet, der den Gästen Raum für weiteren Austausch und neue Begegnungen bot.

Ivica Lukanic und Jan Schröder mit der Geehrten Annette Goslar.

Titelfoto: HVB-Runde (v. l.): Marco Kelb, Frederik Brandt, Ivica Lukanic, Marc Lohmann, Dirk Neumann und Detlef Kaatz.

Dagman Ammon (l), Ehrenbürger Manfred Ammon (3. v. r) und Bürgermeister Ivica Lukanic (4. v. l.) mit den Gästen aus Satu Mare.