Pressemeldung
Spielerisch lernen!
Die Malteser in Braunschweig erproben eine VR-Brille für die Erste-Hilfe-Ausbildung
Braunschweig (mhd). Es ist nur eine Brille, doch sie spiegelt eine ganze Welt voller Unfälle, Notfälle und Katastrophen: Seit wenigen Wochen erproben die Malteser in Braunschweig eine „Virtual-Reality“ (VR)-Brille für den Einsatz in der Erste-Hilfe-Ausbildung. Vermutlich ab dem kommenden Jahr soll sie regelmäßig eingesetzt werden.
Wenn es um das Erlernen der Herzdruckmassage geht, sind Übungspuppen in der Ausbildung nicht mehr wegzudenken. Seit Jahrzehnten werden sie von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Erste-Hilfe-Kursen „wiederbelebt.“ Doch wie verhält man sich richtig zum Beispiel bei einem Autounfall? Hier konnten Ausbilder bislang nur theoretisch unterrichten. Aufstellen eines Warndreiecks? In der Theorie schnell gehört – in der Praxis ebenso schnell vergessen.
Eine VR-Brille kann die Lücke zwischen Theorie und Praxis bis zu einem gewissen Grad schließen, weil sie ihrem Träger konkrete Szenarien vorspielt. Dabei handelt es sich im Grund um ein komplettes System aus einer Brille und zwei Controllern, die man in beide Hände nimmt. Hinzu kommt ein Armband mit Sensor, welches die Hand- und Armbewegungen misst. Beim Einsatz an einer Übungspuppe misst der Sensor zum Beispiel, ob Frequenz und Drucktiefe der Herzdruckmassage ausreichen. Außerdem kann das Szenario auf einen externen Bildschirm übertragen werden, so dass andere Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses das gleiche Bild vor Augen haben, wie der Brillenträger.
Seit August nutzen die Malteser in Braunschweig nun eine solche VR-Brille des Unternehmens „Weltenmacher“. Ausbildungsleiterin Marion van der Pütten hat sich für ein Pilotprojekt zur Verfügung gestellt, das den Einsatz dieser VR-Brille in der konkreten Ausbildung erproben soll – gemeinsam mit Maltesern in Münster und Köln. „Ich habe das nur gemacht, weil viele meiner Ausbilder und Ausbilderinnen technikbegeistert sind und mich unterstützen“, bekennt die erfahrene Ausbilderin.
Einer von ihnen ist Jannis Köhler, Ausbilder, Einsatzsanitäter, Leiter des Schulsanitätsdienstes und nun in der Ausbildung zum Notfallsanitäter bei den Maltesern. Die VR-Brille bedient und zeigt er schon wie ein Profi und sieht deren große Vorteile: Sie macht Notfallsituationen realistisch erlebbar – wenn auch nur virtuell. Wie im echten Notfall baut sie Zeitdruck und Stress auf und zeigt im Training schnell die Konsequenzen falschen Handelns auf. Wer zum Beispiel vergisst, ein Warndreieck aufzustellen, wird von einem anderen Auto angefahren – auch das zum Glück nur virtuell!
Noch sieht Köhler an einigen Stellen Bedarf für Feinschliff. Diese Punkte fließen in den kommenden Monaten in die Weiterentwicklung ein. Doch insgesamt sind Jannis Köhler und Marion van der Pütten überzeugt vom Nutzen der Brille. „Ich bin stolz darauf, bei diesem Pilotprojekt mitarbeiten zu können“, bekennt van der Pütten. „Wir heben die Erste-Hilfe-Ausbildung damit auf ein ganz neues Niveau.“
Foto:Jannis Köhler von den Braunschweiger Maltesern mit der Virtual-Reality-Brille; Bildquelle: Lukas/Malteser


