Hinweise auf problematische Nutzung eines historischen Bahnrelikts in Schandelah 

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Pressemeldung:

Schandelah. Bürgerinnen und Bürger haben Hinweise zur Situation rund um den Bereich eines ehemaligen Lagerbahntunnels („Bunker“) nahe der Straße „Neue Reihe“ gegeben – einem Ort mit besonderer historischer Bedeutung.

Bei dem Bauwerk handelt es sich um einen Teil einer sogenannten Lagerbahn (Stichstrecke), die im Jahr 1944 während der NS‑Zeit errichtet wurde. Die rund drei bis vier Kilometer lange Strecke verband den Bahnhof Schandelah mit einem Industrie‑ und Lagergelände im Bereich Schandelah‑Wohld. Sie diente der Anbindung eines Außenlagers des Konzentrationslagers Neuengamme. Über diese Verbindung wurden Materialien transportiert – aber auch Häftlinge, die unter Zwangsarbeit eingesetzt wurden.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund erhält die aktuelle Entwicklung vor Ort ein besonderes Gewicht: Der Bereich um den ehemaligen Tunnel wird seit längerer Zeit als Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt. Aktuell wurde beobachtet, dass der Zugang offensteht und sich im Inneren deutliche Spuren von Beschädigungen befinden. Zudem wurden Verschmutzungen sowie Hinweise auf ein Brandereignis festgestellt.

Besorgniserregend ist zudem, dass im Innenbereich Aufkleber mit verfassungsfeindlichen und extremistischen Inhalten entdeckt wurden. Damit entsteht der Eindruck, dass ein historisch belasteter Ort, der eng mit den Verbrechen der NS‑Zeit verbunden ist, von einzelnen Gruppen in problematischer Weise genutzt und vereinnahmt wird.

In der Vergangenheit kam es bereits zu einem Feuerwehreinsatz in diesem Bereich. Dabei wurde durch die Polizei unter anderem ein gestohlenes Ortseingangsschild sichergestellt.

Auch politisch ist das Thema bereits aufgegriffen worden: In der letzten Sitzung des Ortsrates Schandelah wurde die Problematik „Treffpunkt im Bunker“ ausführlich diskutiert. Der Ortsbürgermeister hat die Gemeinde Cremlingen über die aktuellen Entwicklungen informiert.

Aus der Bürgerschaft sowie dem Ortsrat wird nun gefordert, die Situation umfassend zu prüfen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Im Fokus stehen dabei insbesondere:

  • die Sicherung des Geländes,
  • die Beseitigung von Müll und Beschädigungen,
  • die Entfernung extremistischer Inhalte,
  • sowie eine mögliche Einbindung der zuständigen Sicherheitsbehörden.

Viele Bürgerinnen und Bürger sehen es als gemeinsame Verantwortung, dass ein Ort, der mit der Geschichte von Zwangsarbeit und Leid verbunden ist, nicht zum Treffpunkt für respektlose oder extremistische Aktivitäten wird.

Schandelah steht für ein respektvolles Miteinander – und für einen bewussten Umgang mit seiner Geschichte.

Bildunterschrift: Von links: Hendrik Langediers, Jörg Lüllmann, Anne und Frida Stolze, Beate und Hannah Bauschke sowie Arne und Carl Lüer

Bild rechts oben Müll rund um den Tunnel

Bild rechts unten der zugemauerte Tunnel „Bunker“