Wohnungsbau-Tag 2026: Niedersachsen als Vorbild mit zentralen Ansätzen mehr bezahlbaren Wohnraum

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Grant Hendrik Tonne: „Intelligentes Bauen bedeutet bewusstes Weglassen“
Unser dem Titel „Worauf wartet Deutschland? Raus aus der Krisenstarre auf dem Wohnungsmarkt“ hat heute der 17. Wohnungsbau-Tag in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin stattgefunden. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bau- und Immobilienwirtschaft diskutierten über Wege aus der anhaltenden Wohnungsbaukrise.

Als „Gastgeber“ betonte Niedersachsens Bauminister Grant Hendrik Tonne die Dringlichkeit politischen Handelns: „Die Baukonjunktur ist weiterhin schwach, gleichzeitig fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Zusätzliche Herausforderungen wie demografische Entwicklungen und aktuelle geopolitische Unsicherheiten verschärfen die Lage weiter. Wir brauchen jetzt schnell konkrete Antworten. Zwei zentrale Ansätze aus Niedersachsen können bundesweit als Vorbild dienen: die Novelle der Niedersächsischen Bauordnung sowie der sogenannte Niedersächsische Weg.“

Reform der NBauO

Mit der grundlegenden Reform der Bauordnung hat Niedersachsen neue Maßstäbe gesetzt. Ziel ist es, Umbauten deutlich zu erleichtern und kostengünstiger zu machen. So müssen neue Bauteile bei Bestandsumbauten nicht mehr zwingend aktuellen Normen entsprechen, sondern lediglich dem Standard des bestehenden Gebäudes.

Tonne: „Entscheidend ist, dass zentrale Schutzziele wie Standsicherheit und Brandschutz gewährleistet sind – nicht die starre Einhaltung jeder einzelnen Vorschrift. Gleichzeitig haben wir Entscheidungsräume erweitert und bürokratische Verfahren vereinfacht. Für diesen Ansatz wurde Niedersachsen bereits ausgezeichnet – unter anderem vom Zentralen Immobilien Ausschuss für die innovativste Bauordnung. Und genau deshalb machen wir auch weiter und werden erneut Änderungen an der NBauO mit weiteren Verbesserungen auf den Weg bringen.“

„Niedersächsischer Weg“: Einfacher, schneller, günstiger

Ergänzend setzt das Land auf den „Niedersächsischen Weg zum erleichterten und kostengünstigen Bauen“, der gemeinsam mit 37 Partnern aus Wirtschaft, Kammern, Verbänden und Kommunen entwickelt wurde. Im Zentrum steht ein grundlegender Perspektivwechsel: die Konzentration auf Basisstandards und der Verzicht auf unnötige Komplexität wird durch den Einsatz serieller und modularer Bauweisen und die Nutzung kostengünstiger Materialien ergänzt.

„Intelligentes Bauen bedeutet heute auch bewusstes Weglassen. Was nicht gebaut wird, kostet nicht“, erklärte Tonne: „Neue Freiräume müssten von allen Beteiligten aktiv genutzt werden – von Planenden über Behörden bis hin zu Bauherren. Reformen entfalten nur dann Wirkung, wenn sie auch gelebt werden. Dafür braucht es Mut, eingefahrene Wege zu verlassen.“

Hintergrund: Branchengipfel mit politischer Strahlkraft

Der Wohnungsbau-Tag gilt als einer der wichtigsten Branchengipfel für Bau- und Wohnungspolitik in Deutschland. Veranstaltet wird er von sieben führenden Organisationen der Bau- und Immobilienwirtschaft, darunter der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, der Deutsche Mieterbund sowie das Deutsche Baugewerbe.

In einer hochkarätig besetzten Polit-Arena waren Matthias Miersch, Felix Banaszak, Jens Spahn, Jan van Aken und Magdalena Finke eingeladen, um über Lösungsansätze für den angespannten Wohnungsmarkt zu diskutieren. Ein Programmpunkt des Wohnungsbau-Tages war die Vorstellung einer neuen Wohnungsbau-Studie durch die Forschungsinstitute ARGE (Kiel) und RegioKontext (Berlin) sowie den Baurechtsexperten Michael Halstenberg.

Tonne abschließend: „Die zentrale Botschaft des Wohnungsbau-Tages: Ohne entschlossene Reformen, weniger Bürokratie und einen gemeinsamen Mentalitätswechsel wird die Wohnungsfrage in Deutschland nicht zu lösen sein. Wohnraum für alle schaffen wir nur gemeinsam.“