Sieben Ideen, sieben Wege in die Selbständigkeit

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Beim 14. Wolfenbütteler Jungunternehmerabend zeigen Gründerinnen und Gründer, wie unterschiedlich der Weg von der ersten Idee zum eigenen Unternehmen aussehen kann. Nina Boog gewinnt Gründerpreis.

Wolfenbüttel. Fahrräder, Familienunterstützung, Hightech, Energieberatung, Nachfolgeplanung und digitale Gesundheitsangebote: Beim 14. Wolfenbütteler Jungunternehmerabend im Solferino wurde deutlich, wie vielfältig die regionale Gründungsszene ist. Sieben Gründerinnen und Gründer beziehungsweise Gründungsteams stellten ihre Geschäftsideen vor und berichteten offen über Chancen, Rückschläge und Herausforderungen auf dem Weg in die Selbständigkeit. Der Jungunternehmerabend wurde erneut vom Technischen Innovationszentrum Wolfenbüttel ausgerichtet, welches in diesem Jahr Unterstützung von der Wirtschaftsförderung der Stadt Wolfenbüttel, der Wirtschaftsförderung im Landkreis Wolfenbüttel GmbH und des Wissens- und Technologietransfers der Ostfalia Hochschule erhalten hatte.

Auch in diesem Jahr konnten die Besucherinnen und Besucher über die „Gründung des Abends“ abstimmen. Der Abend verbindet damit Präsentationen und Wettbewerb mit persönlichem Austausch und Netzwerken. Zum Auftakt betonte Prof. Dr.-Ing. Diederich Wermser, Vorstandsmitglied des Technischen Innovationszentrums Wolfenbüttel (TIW) die guten Rahmenbedingungen für Gründungen in Wolfenbüttel. Besonders die Nähe zur Ostfalia Hochschule sowie die Netzwerke aus Wirtschaftsförderung, Beratung, Business Angels (BANSON) und Kreditwirtschaft seien wichtige Faktoren. Entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Start-ups sei allerdings vor allem ein tragfähiges Geschäftsmodell. Auch künstliche Intelligenz werde für junge Unternehmen zunehmend relevant – etwa bei der Entwicklung neuer Angebote, der Optimierung von Prozessen oder der Senkung von Kosten.

Mit dem E-Bike gegen lange Wartezeiten

Wie aus einem persönlichen Ärgernis eine Geschäftsidee entstehen kann, zeigte Martin Silberborth von Harzer E-Bike. Nachdem er selbst erlebt hatte, wie lange Reparaturen an einem E-Bike dauern können, gründete er 2020 sein Unternehmen. Sein Anspruch: Mobilität soll auch dann erhalten bleiben, wenn das Fahrrad in die Werkstatt muss. Garantierte Werkstatttermine innerhalb von drei Tagen und kostenlose Leihfahrräder gehören zum Konzept. Inzwischen ist Harzer E-Bike an mehreren Standorten vertreten. Silberborth sieht gerade im Service einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Auch Wolfenbüttel habe sich für ihn als guter Standort erwiesen, weil er hier früh Kontakte zu Netzwerken und Unterstützern geknüpft habe.

Entlastung für Familien per App

Mit einem ganz anderen Alltagsthema beschäftigt sich die Weca Care GmbH. Geschäftsführerin Ilka Hoffmann präsentierte die weca-App, die Familien bei den zahlreichen Herausforderungen zwischen Beruf, Kinderbetreuung, Pflege und eigenen Bedürfnissen unterstützen soll. Die Plattform bündelt Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Familie, mentale Gesundheit, Pflege und Freizeit. Beschäftigte können über ihren Arbeitgeber Punkte erhalten und damit Leistungen kostenlos oder vergünstigt nutzen. Hoffmann berichtete zugleich von Rückschlägen während der Gründung. Eine erste Förderung wurde abgelehnt. Unterstützung durch weitere Förderer und Partner half dem Team jedoch, die Idee weiterzuentwickeln. Inzwischen ist die App online und soll mit ersten größeren Unternehmen aus der Region erprobt werden.

Forschung wird zum Geschäftsmodell

Bei ElastoLife steht dagegen industrielle Forschung im Mittelpunkt. Das Gründungsteam um Alexandra Ferreira Bartsch und Ngoko Tume arbeitet an einer Methode, mit der die Lebensdauer von Elastomer-Bauteilen mithilfe von Simulationen schneller bestimmt werden kann. Bisher können entsprechende Prüfverfahren sehr lange dauern. ElastoLife will einen erheblichen Teil dieser praktischen Tests durch digitale Modelle ersetzen. Die Grundlage bilden Forschungsarbeiten aus dem Umfeld der Ostfalia und der Universität der Bundeswehr München. Das Team arbeitet bereits mit Industriepartnern an der Validierung der Methode. Zusätzlich soll künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Auch Bilderkennung kommt zum Einsatz, um beispielsweise den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem erste Risse in einem Bauteil entstehen. Ziel ist ein marktfähiges Produkt.

Wenn der Unternehmer plötzlich ausfällt

Thomas Löffler richtete den Blick auf ein Thema, das bei Unternehmensgründungen häufig in den Hintergrund gerät: die Vorsorge. Der langjährige Bankmanager ist heute als Immobilien- und Nachlassberater tätig und beschäftigt sich mit Generationenmanagement und Unternehmensnachfolge. Seine zentrale Frage lautet: Was passiert, wenn ein Unternehmer plötzlich nicht mehr entscheiden kann? Vollmachten, Testamente, Unternehmensanteile, Immobilien und auch der digitale Nachlass müssten frühzeitig geregelt werden, erläuterte Löffler. Gerade bei Unternehmen sei es wichtig, Gesellschaftsvertrag und Nachlassregelungen aufeinander abzustimmen. Löffler versteht sich dabei als Koordinator zwischen den Betroffenen sowie Rechtsanwälten und Steuerberatern. Sein Ziel: Vermögen erhalten und die Handlungsfähigkeit sichern.

Der 3D-Druck kommt auf den Gewehrschaft

Mit Aptus Additive Components präsentierte sich ein Gründungsteam, das additive Fertigung mit einem speziellen Anwendungsbereich verbindet. Die Ingenieure wollen individuell angepasste Schäfte für Jagdwaffen mithilfe des 3D-Drucks herstellen. Herkömmliche Schäfte seien häufig standardisiert, schwer und bei individueller Anpassung teuer, erklärten Lars Kühl und Tim Fenner. Ihr Konzept sieht vor, die Maße und ergonomischen Bedürfnisse des jeweiligen Schützen digital zu erfassen und den Schaft entsprechend anzupassen. Durch spezielle Strukturen im Inneren soll zugleich Gewicht eingespart werden. Nach Angaben des Teams könnten individuell gefertigte Produkte dadurch deutlich günstiger angeboten werden. Das Vorhaben befindet sich noch in der Gründungsphase und wird über ein Gründungsstipendium unterstützt.

Energie sparen und Gebäude fit für die Zukunft machen

Marcus Kordilla und Vanessa Kaiser stellten anschließend ihr neu gegründetes Ingenieurbüro für Energieberatung vor. Kordilla verbindet eine handwerkliche Ausbildung und ein Studium der Energie- und Gebäudetechnik mit langjähriger journalistischer Erfahrung. Kaiser ist technische Systemplanerin und studiert Energie- und Umwelttechnik. Ihr gemeinsames Ziel: Gebäude energetisch besser machen. Dazu gehören Wärmebedarfsberechnungen, energetische Bilanzen, die Ermittlung von Einsparpotenzialen und die Beratung zu Fördermitteln. Neben privaten Gebäuden sollen auch Unternehmen angesprochen werden. Eine weitere Säule des Geschäftsmodells ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie soll interne Prozesse vereinfachen und das Büro bei wiederkehrenden Aufgaben unterstützen. Kordillas Leitgedanke lautet dabei: Energieeinsparung soll nicht nur dem Klima helfen, sondern auch den Geldbeutel von Eigentümern und Unternehmen entlasten.

Eine digitale Begleitung für Menschen mit Autoimmunerkrankungen

Den Abschluss bildete Nina Boog mit ihrer Gründung Autoimmune Care Systems (ACS). Ausgangspunkt ihrer Geschäftsidee waren eigene Erfahrungen mit Hashimoto. Die Gründerin kennt sowohl die Perspektive Betroffener als auch das deutsche Gesundheitssystem aus ihrer beruflichen Tätigkeit bei einer Krankenkasse. Mit der geplanten App „ThyVia“ will sie Menschen mit Hashimoto im Alltag begleiten. Symptome, Blutwerte und mögliche Einflussfaktoren sollen strukturiert erfasst werden, damit Betroffene und Ärzte einen besseren Überblick erhalten. Die Entwicklung einer solchen Gesundheitsanwendung bringt allerdings besondere Anforderungen mit sich. Medizinische Validierung, Datenschutz und regulatorische Vorgaben machen die Entwicklung aufwendig. Boog konnte Fördermittel einwerben und Partner aus Technologie und Medizin gewinnen. Nach der Entwicklung und einer Pilotphase soll die Anwendung später auf weitere Autoimmunerkrankungen ausgeweitet werden.

Gründung braucht mehr als eine gute Idee

Die sieben Präsentationen zeigten vor allem eines: Der Weg in die Selbstständigkeit verläuft selten geradlinig. Die Gründer berichteten von Finanzierungsfragen, Förderanträgen, technischen Herausforderungen, fehlender Erfahrung und Rückschlägen. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Bedeutung persönliche Netzwerke, fachliche Partner und regionale Unterstützungsangebote haben. Damit knüpft der Jungunternehmerabend an seine ursprüngliche Idee an: Gründerinnen und Gründer sollen eine Bühne bekommen, Kontakte knüpfen und von den Erfahrungen anderer profitieren. Die Veranstaltung bietet dafür bewusst eine Mischung aus kurzen Präsentationen, Publikumsabstimmung und anschließendem persönlichen Austausch.

Am Ende des offiziellen Teils konnten die Besucher ihre Stimme für eine der vorgestellten Gründungen abgeben. Anschließend ging der Abend bei Getränken, Essen und Gesprächen in den informellen Teil über. Für die Organisatoren ist das Netzwerk dabei mindestens ebenso wichtig wie der Wettbewerb: Aus einer Idee soll ein Unternehmen werden – und aus einer Begegnung möglicherweise eine langfristige Zusammenarbeit. Die Abstimmung gewann Nina Boog, die sich über ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro freuen konnte, das von der Volksbank eG Wolfenbüttel gesponsert wurde.

Organisatoren und Preisträgerin (von links): Jonas Münzebrock (Stadt Wolfenbüttel), Siegerin Nina Boog, Carola Weitner-Kehl (TIW) und Christian Bednorz (Volksbank).  Foto: Regio-Press

Wieder recht gut gefüllt: Das Solferno Am Exer.  Foto: Regio-Press