Großer Gemeinderat, kleiner Saal: Muss Cremlingens Politik wirklich so eng zusammenrücken?

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Archivfotos Schwarze Fotografie

Ein Kommentar:

Neuer Gemeinderat, alte Platzprobleme. Wenn am kommenden Dienstag die konstituierende Sitzung des Gemeinderates der Gemeinde Cremlingen stattfindet, dürfte es im Dorfgemeinschaftshaus Gardessen wieder eng werden. Die Verwaltung hat erneut einen Sitzungsort ausgewählt, der schon bei früheren Sitzungen mit größerem Zuschauerinteresse an seine Grenzen gestoßen ist. Dabei gibt es Alternativen.

Wer schon einmal eine gut besuchte Ratssitzung in Gardessen erlebt hat, kennt das Problem. Sobald kontroverse Themen viele Bürgerinnen und Bürger anziehen, wird es recht kuschelig. Gemütlich mag das sein, für einen großen Gemeinderat ist es eher ungeeignet.

Auch Parkplätze sind rund um das Dorfgemeinschaftshaus Mangelware. Die Suche danach könnte für manchen Besucher zum ersten Programmpunkt werden.

Besonders schwierig ist die Situation für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Der barrierearme Zugang führt über einen längeren Umweg und anschließend mitten durch den Sitzungssaal zu den Zuschauerplätzen. Doch wie soll ein Besucher während einer laufenden Sitzung den Saal verlassen oder wieder betreten, ohne die Beratungen zu stören? Eine reichlich unglückliche Lösung für eine öffentliche Ratssitzung, die eigentlich allen Menschen offenstehen sollte

Dabei gibt es Alternativen

Das Dorfgemeinschaftshaus in Weddel bietet einen großzügigen Saal mit ausreichend Platz und sogar eine Gastronomie.

Auch das Bildungs- und Begegnungszentrum (BBZ) in Cremlingen wäre eine Möglichkeit. Für dessen Errichtung wurden erhebliche Mittel aus dem Gemeindehaushalt aufgewendet. Ein moderner, ausreichend großer Sitzungssaal ist vorhanden. Lediglich eine Gastronomie fehlt bislang. Doch Getränke zu organisieren, dürfte kaum die Organisatoren der Sitzung überfordern.

Demokratie braucht Platz. Und zwar für alle.

Gegen das Dorfgemeinschaftshaus in Gardessen ist grundsätzlich gar nichts einzuwenden. Für kleinere Veranstaltungen und Ausschusssitzungen ist es sicherlich gut geeignet. Ob es auch der richtige Ort für den gesamten Gemeinderat ist, steht auf einem anderen Blatt.

Überall wird von mehr Demokratie, Bürgerbeteiligung und Transparenz gesprochen. Doch das beginnt bei einer einfachen Frage: Können wirklich alle Bürgerinnen und Bürger eine öffentliche Ratssitzung ohne unnötige Einschränkungen besuchen?

Ausreichend Zuschauerplätze und ein möglichst barrierefreier Zugang sollten selbstverständlich sein. Gerade eine Kommunalverwaltung müsste hier mit gutem Beispiel vorangehen. Denn Öffentlichkeit darf nicht nur auf dem Papier bestehen.

Warum also wieder Gardessen?

Vielleicht gibt es gute organisatorische Gründe für diese Entscheidung. Angesichts der bisherigen Erfahrungen und der vorhandenen Alternativen wäre eine Erklärung interessant.

Gerade die konstituierende Sitzung hätte die Gelegenheit geboten, den neuen Gemeinderat unter angemessenen Bedingungen starten zu lassen. Stattdessen setzt man auf Bewährtes. Auch wenn sich das Bewährte nicht immer bewährt hat.

Vielleicht nimmt der neue Gemeinderat die Frage nach einem geeigneteren Sitzungsort künftig selbst in die Hand. Bis dahin heißt es am Dienstag in Gardessen: früh genug losfahren, auf einen Parkplatz hoffen und im Saal zusammenrücken.

Politische Nähe ist schließlich schön. Aber man muss es ja nicht gleich übertreiben.