Pressebericht
Konzert „Verleih uns Frieden gnädiglich“ – Gesungene Sehnsucht
Gelungenes musikalisches Experiment in Weddel
Die Ortschaft Weddel begeht in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen den 800 Jahre alten urkundlichen Nachweis ihres Bestehens. Den Aufschlag dieses bunten Reigens machte die Kirchengemeinde der Christuskirche Weddel mit ihrer Zweiten Weddeler Abendmusik. Und was lag näher – trotz der zeitlichen Ferne – sich musikalisch ans Mittelalter heran zu tasten – eine musikalische Herausforderung für den Chor Cantamus, der in einer Projektphase durch Gäste und Mitglieder des Jugendchores darin unterstützt wurde.
Chorleiterin Petra Diepenthal-Fuder erwähnte zu Beginn des Konzertes das besondere Gefühl für die Musizierenden an einer Stelle zu stehen und zu singen, wo schon vor weit über 800 Jahren in einer Schutzkapelle Zisterziensermönche aus Riddagshausen gebetet und gesungen hatten. Mit Eva-Maria Karras hatte die Chorleiterin eine Spezialistin gefunden, die nicht nur als Solistin im Konzert fungierte, sondern den Chor auch in zwei Workshops auf das Konzert mit mittelalterlicher Musik sehr gut vorbereitet hatte.
Inhaltliches Thema des Abends war die gesungene Sehnsucht nach Frieden – beginnend beim gregorianischen Choral „Da pacem Domine“, der später von Martin Luther ins Deutsche übersetzt und auf einer bis heute bekannten Choralmelodie als „Verleih uns Frieden gnädiglich“ gesungen wird. Kompositionen mit diesem textlichen Inhalt bildeten den roten Faden des Konzertes vom Mittelalter über Renaissance (Joh. Hermann Schein), Barock (Joh. Seb. Bach), Romantik (Felix Mendelssohn-Bartholdy) hin zum modernen Kirchenlied (Matthias Nagel).
Die Besonderheit des Abends blieb aber der Anteil mittelalterlicher Musik, die Eva-Maria Karras auch in ihrer Moderation dem Publikum nahebrachte. Sie zeigte, wie farbig die einstimmigen Gesänge sein konnten, wenn sie entsprechend instrumental begleitet wurden. Ihr Vortrag wurde zu einem Gesamtkunstwerk mittelalterlicher Kunst, angefangen vom Gewand bis zum musikalischen Vortrag als solchem. Mit mehreren Saiteninstrumenten – große und romanische kleine Harfe, Monochord und dem Rebec, einem Vorläuferinstrument der heutigen Geigen -, Glocken, einer Shrutibox – eine Art Kleinakkordeon ohne Knöpfen und Tastatur aus dem indischen Raum – Trommeln und Schellenkranz bereitete Karras sich selber, aber auch im gemeinsamen Gesang mit dem Chor durch entsprechendes Anschlagen entweder rhythmische Impulse oder ein harmonisch-sphärisches Fundament aus Borduntönen, die ihre Wirkung als liegende Klangbänder entfalteten.
Teilweise bildeten auch Gruppen im Chor selbst solche Klänge zur Begleitung der gesungenen Texte aus. Rhythmisierte Refrains im Chor und freie, wie Improvisationen wirkende Sologesänge wechselten ab, es erklangen meditative, gesungene Gebete im Chor und solistisch – Klosteratmosphäre breitete sich aus. Kontrastierende Wirkung dazu dazu boten aus dem Weltlichen übertragene geistliche Volkslieder mit mitreißenden schnellen Tanzrhythmen, die die fröhliche Stimmung der Gläubigen selbst in einem Totentanz zum Ausdruck brachten. Und wenn Eva-Maria Karras die poetischen Texte der Hildegard von Bingen oder des Heiligen Franziskus mit ihrer glockenreinen Stimme darbot, meinte man zu spüren, wie die gesungenen Gebete in der Weddeler Kirche direkt zum Himmel aufstiegen.
Am Ende waren alle glücklich über ein gelungenes Experiment – Chor, Chorleiterin, Solistin und das Publikum tauschten dankbar und freudig ihre Begeisterung für die Intensität des verklungenen Ereignisses aus.




