Getreideernte im Landkreis Wolfenbüttel weitgehend abgeschlossen – Hitze und niedrige Preise belasten die Landwirtschaft

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Landvolk Braunschweiger Land zieht erste Bilanz der diesjährigen Ernte

Die Getreideernte im Landkreis Wolfenbüttel ist weitgehend abgeschlossen. Nur vereinzelt sind noch Mähdrescher unterwegs, um die letzten Felder abzuernten. Insgesamt startete und endete die Ernte in diesem Jahr etwas früher als gewöhnlich. Für die 374 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis ist damit ein wichtiger Teil des Erntejahres geschafft – die Bilanz fällt allerdings gemischt aus.

Eine besondere Bedeutung hat dabei der Winterweizen. Auf rund 43,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche im Landkreis Wolfenbüttel wächst Winterweizen und ist damit neben Winterraps und Zuckerrüben eine der wichtigsten Kulturen der Region.

„Entscheidend für die diesjährige Weizenernte war vor allem das letzte Juni-Wochenende mit Temperaturen von teilweise über 40 Grad“, erklärt Karoline Vorlop vom Landvolk Braunschweiger Land. Dabei müsse zwischen Trockenstress und Hitzestress unterschieden werden. „Grundsätzlich hatten wir in diesem Jahr ausreichend Niederschläge. Das Problem waren die extrem hohen Temperaturen genau zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Weizenbestände in einer entscheidenden Phase der Kornfüllung befanden.“

Nach Einschätzung des Landvolks haben die heißen Tage je nach Sorte und Entwicklungsstand Ertragseinbußen von etwa 10 bis 20 Prozent verursacht. Frühere Weizensorten kamen mit der Situation teilweise besser zurecht als spätere Sorten.

Die Hitze hatte nicht nur Auswirkungen auf die Erträge, sondern auch auf die Qualität. Besonders das sogenannte Hektolitergewicht, ein wichtiges Qualitätsmerkmal bei der Vermarktung von Getreide, erreicht in diesem Jahr bei einem Teil der Partien nicht die geforderten Werte.

„Wir sehen sehr unterschiedliche Ergebnisse. Manche Flächen liefern durchschnittliche Erträge, andere liegen deutlich darunter. Besonders bei Beständen, die im Herbst spät ausgesät wurden hat die Hitze Spuren hinterlassen“, sagt Dr. Niels Pelka vom Landvolk Braunschweiger Land. Neben den Erträgen bereite den Betrieben derzeit allerdings vor allem die wirtschaftliche Situation Sorgen.

Niedrige Getreidepreise treffen auf hohe Produktionskosten

Denn während Betriebsmittel und andere Produktionskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, befinden sich die Getreidepreise auf einem niedrigen Niveau. Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Vergleich von Diesel und Weizen.

„Heute muss ein Landwirt mehr als zehn Kilogramm Weizen verkaufen, um davon einen Liter Diesel kaufen zu können. In den Jahren 2000 oder auch 2020 waren dafür sechs bis sieben Kilogramm notwendig“, verdeutlicht Vorlop. „Das zeigt sehr anschaulich, wie stark sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unsere Betriebe verändert haben.“

Neben Diesel haben sich insbesondere Düngemittel und zahlreiche weitere Betriebsmittel verteuert. Bei den derzeitigen Erzeugerpreisen sei es deshalb für viele Betriebe zunehmend schwierig, die Produktionskosten vollständig zu decken.

Rapsernte enttäuscht

Auch die Rapsernte konnte in diesem Jahr vielerorts nicht überzeugen. Auf rund zwölf Prozent der Ackerfläche im Landkreis Wolfenbüttel wird Winterraps angebaut. Die Kultur ist jedoch mit zahlreichen Schädlingen und Pflanzenkrankheiten konfrontiert.

„Unsere Landwirte wollen ihre Bestände gesund erhalten und gezielt schützen. Gleichzeitig stehen ihnen immer weniger geeignete Pflanzenschutzmittel zur Verfügung“, erklärt Pelka. Besonders kritisch sieht das Landvolk, dass sich die Zulassungssituation selbst innerhalb der Europäischen Union unterscheidet.

Gute Voraussetzungen für die Zuckerrüben

Deutlich positiver präsentiert sich bislang die Zuckerrübe. Die Bestände im Landkreis Wolfenbüttel sehen derzeit vielerorts sehr gut aus. Insbesondere die hohen Niederschlagsmengen im Juli haben den Pflanzen geholfen. Regional fielen im Laufe des Monats nahezu 100 Millimeter Regen.

„Die Zuckerrüben haben von den Niederschlägen im Juli enorm profitiert und momentan sehen die Bestände vielversprechend aus“, sagt Vorlop. Eine abschließende Bewertung sei jedoch erst möglich, wenn die Rüben im Herbst gerodet und die tatsächlichen Zuckererträge feststehen.

Auch bei der Zuckerrübe bleibe jedoch die wirtschaftliche Seite eine Herausforderung. Die Zuckerpreise seien derzeit vergleichsweise niedrig. Zusätzliche politische Vorhaben, beispielsweise die geplante Zuckersteuer, sorgten bei den Betrieben für weitere Unsicherheit.

Gute Ernten allein reichen nicht

Die bisherige Erntebilanz zeigt nach Auffassung des Landvolks Braunschweiger Land, wie stark landwirtschaftliche Betriebe mittlerweile von verschiedenen Faktoren gleichzeitig beeinflusst werden. Wetterextreme, eingeschränkte Möglichkeiten beim Pflanzenschutz, hohe Produktionskosten und niedrige Erzeugerpreise treffen unmittelbar aufeinander.

„Landwirtschaft bedeutet jedes Jahr, mit Wetter und Natur zu arbeiten – und damit auch mit Unsicherheiten umzugehen“, sagt Pelka „Aber am Ende muss sich die Produktion auch wirtschaftlich tragen. Eine gute Ernte allein hilft den Betrieben wenig, wenn die Preise die entstandenen Kosten nicht decken.“

Wie das Erntejahr 2026 insgesamt ausfallen wird, entscheidet sich damit erst in den kommenden Monaten. Mit der Zuckerrübenernte steht noch ein wichtiger Teil der Ernte bevor. Gleichzeitig wird für viele Betriebe entscheidend sein, zu welchen Preisen sich das bereits geerntete und eingelagerte Getreide vermarkten lässt.