Torben Podstawa schreibt „offenen Brief zum Thema Feuerwehr“ an BM + Rat

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Heute erhielt die Redaktion folgenen Leserbrief:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Mitglieder des
Gemeinderates,

ich möchte Ihnen auf diesem Weg meine Besorgnis mitteilen. Ich bin seit
meinem 10. Lebensjahr aktives Mitglied in der Gemeindefeuerwehr (jetzt
bereits mehr als 36 Jahre). Habe dort auch schon mehrere Posten auf
Orts-und Gemeindeebene bekleidet. Auch sonst habe ich mich immer
sozial engagiert. Als Schöffe bei Gericht, als Notfallseelsorger in
Braunschweig oder auch beruflich als Berufsfeuerwehrmann. Ich bin
Disponent auf der IRLS Braunschweig / Peine / Wolfenbüttel und verfüge
über 20 Jahre Erfahrung im Rettungsdienst.

Seit mehreren Jahren schaue ich mir schon an, was sich im Bereich der
Feuerwehrhäuser tut. Bis Sommer letzten Jahres hätte ich für diesen
Bereich eine Schulnote 4 „ ausreichend ” gegeben und hatte auch noch
Hoffnung. Mittlerweile hat sich meine Hoffnung in Richtung Frustration
bewegt und ich bin das erste mal kurz davor mein Ehrenamt
hinzuschmeißen. Heute würde ich nur noch eine Note 5-6 ( mangelhaft/
ungenügend) vergeben.

Es wundert mich wie es sein kann, dass es nicht geschafft wird innerhalb
von 7 Jahren Feuerwehrhäuser neu zu bauen, die laut FUK nicht nur
bedenklich sind. Im gleichen Zuge kann aber innerhalb nur weniger Monate
ein Prestigeobjekt (Feuerwehrhaus mit Rettungswache) geplant und in
Kürze gebaut werden. Das Feuerwehrhaus in Cremlingen ist eines der
besten Feuerwehrhäuser aus dem Altbestand und wurde auch kaum durch
die FUK bemängelt. Sicher würde es noch mindestens 10 Jahre seinen
Dienst leisten. Es entzieht sich meiner Logik warum mindestens 7,4
Millionen Euro an Steuergeldern (Mario Barth lässt Grüßen) aus dem
Fenster geworfen werden, obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht
nötig ist. Ich freue mich natürlich über jegliche Investition (Rettungswache
auf jeden Fall) in die Sicherheit der Bürger, aber bitte mit Vernunft! Man
fängt bei einem Patienten auch nicht mit Schönheitsoperationen an,
bevor man nicht die überlebensnotwendige Herz-OP abgeschlossen
hat und der Patient stabil ist.

Auch die sogenannten Synergieeffekte in der Vorlage XI/115 halte ich für
sehr fragwürdig und nicht logisch nachvollziehbar.
– eine Aussenrettungswache benötigt keinen Schulungsraum (es wäre die
erste ihrer Art im Landkreis). Außerdem wird derzeit eine neue moderne
Hauptrettungswache, mit jeglicher Art von Schulungsmöglichkeiten, gebaut.
– die Rettungswache benötigt dann auch keinen Aufzug.
– eine Küche, zur alleinigen Nutzung des Rettungsdienstpersonal, ist
bereits in den Plänen der Rettungswache vorhanden. Diese muss also
nicht gemeinsam genutzt werden.
– dadurch sind auch keine gemeinsamen Rettungswege oder Flure
notwendig.
– es können auch die Technikräume (wenn der Wille da ist) bereits größer
ausgelegt werden, um einen späteren Anschluss an die Rettungswache
zu ermöglichen. Ob dieses überhaupt Sinn macht, lesen Sie bitte in
meinen späteren Anmerkungen.
Die Aussage, dass durch diesen Bau keine Verzögerungen bei den
anderen Feuerwehrhäusern entstehen halte ich für sehr zweifelhaft. Ich bin
auch im öffentlichen Dienst beschäftigt und weiß daher, dass die
Verwaltungen chronisch überlastet sind. Neue, gute und qualifizierte
Mitarbeiter sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit kaum vorhanden.
Sie haben einen Personalansatz für die nächsten 2 Jahre, von 1480
Stunden eingeplant. Daraus folgt, dass ein Mitarbeiter, bei einer 40
Stunden Woche, 37 Wochen nur mit diesem Projekt beschäftigt ist.
Da ich mir nicht sicher bin wieviel Erfahrung Sie im Rettungsdienst haben,
hier ein paar Informationen von mir:
Eine Aussenrettungswache im Landkreis Wolfenbüttel wird in der Regel im
24 Stunden Dienst besetzt, das heißt die Kollegen sind von vermutlich 06
Uhr morgens bis zum nächsten Tag um 06 Uhr dort tätig. Sie haben
sicherlich aus den Medien bereits erfahren, dass der Rettungsdienst
personell an seine Grenzen stößt und immer weniger Ruhezeiten hat. Aus
meiner aktiven Rettungsdienstzeit weiß ich, dass es kaum etwas
Schöneres gab als in der Ruhezeit (vor allem in den Abend- und
Nachtzeiten) auch Ruhe zu haben. In meinen Augen ist dieses bei einer
kombinierten Feuer- und Rettungswache ausgeschlossen. Die Freiwillige
Feuerwehr hat ihre Gruppendienste in den Abendstunden und an den
Wochenenden. Diese Gruppendienste sind aus meiner Erfahrung heraus
nicht als sehr leise anzusehen. Auch das anschließende Bier in geselliger
Runde ist eine wichtige kameradschaftliche Zusammenkunft, in der
Probleme und auch belastende Einsätze verarbeitet werden. Diese
Tatsache wird mit Sicherheit früher oder später zu Konflikten führen.
Auch eine Variante wie in Schöppenstedt (Feuerwehr und Rettungsdienst
als Nachbarn in getrennten Gebäuden) wäre mit Sicherheit eine bessere
und vernünftigere Lösung.

Nun möchte ich zum Abschluss kommen. Mit diesem offenen Brief möchte
ich an alle beteiligen Personen appellieren, dass doch bitte erst die
lebensnotwendigen Herz-OP’s abgeschlossen werden bevor wir uns um
Schönheitsoperationen kümmern. Gerade in diesen unsicheren Zeiten
sollten wir umsichtig mit unseren Ressourcen umgehen, auch wenn wir
vermutlich einen Goldesel im Gemeindegarten haben. Ich weiß nicht wie
viel Fördergelder es rechtfertigt ein solches Projekt, auf Kosten des
Bürgers, Realität werden zu lassen ohne eine absolute Notwendigkeit Auch
Personalkapazitäten in der Gemeindeverwaltung scheinen nun unbegrenzt
zu sein. Was hat sich plötzlich in dieser Hinsicht verändert? 2015-2022 war
das Personal Mangelware und dieses war ein Grund, weshalb keines der
mangelhaften Feuerwehrhäuser gebaut werden konnte . Ich möchte auch
noch mal daran erinnern, dass es sich um Geld der Gemeindebürger
handelt und nicht um ihr eigenes. Mit dem eigenen würde sicher
umsichtiger umgegangen werden. Eine kleine Spitze: Wir sind die einzige
Gemeinde im Landkreis (bis auf die Stadt Wolfenbüttel), die sich einen
Brandmeister vom Dienst mit eigenem Fahrzeug leistet.
Man könnte die dadurch frei gewordene Zeit für ein durchdachtes BlackoutSzenario verwenden, da das bisherige nicht sehr professionell und lieblos
wirkt.

Ich vermisse auch eine klare öffentliche Stellungnahme der Führung der
Gemeindefeuerwehr, da es sich hierbei auch um Ihre Steuergelder handelt.
Mir ist bewusst, dass meine Worte vermutlich nicht viel bewirken werden,
aber ich werde morgen Früh in den Spiegel schauen können.
Nun habe ich Ihnen alle meine Bedenken zu diesem Projekt mitgeteilt und
hoffe, dass Sie mit Vernunft und Weitsichtigkeit im Sinne der Bürger der
Gemeinde Cremlingen entscheiden und nicht den vermeintlich schöneren
Weg des Prestigeobjekts gehen . Der Herzpatient könnte dabei das
Nachsehen haben.

Mit freundlichen Grüßen
Torben Podstawa
Bürger der Gemeinde Cremlingen

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